Wortbildmarke Markus Höllbacher Salzburg Freilassing

Die Renaissance des geschriebenen Wortes

In den letz­ten Deka­den domi­nierte in der Wer­bung das Nar­ra­tiv, wonach ein Bild mehr als tau­send Worte sage. Das war immer schon selt­sam, oder kön­nen Sie Bil­der spre­chen hören? (Soll­ten Sie diese Frage mit “Ja” beant­wor­ten, würde ich das von einem Arzt genauer anschauen las­sen). Doch was sich in Köp­fen eta­bliert, wer­den sel­bige nur schwer wie­der los. Und so beglückte uns die Wer­be­wirt­schaft in einem infla­tio­nä­ren Aus­maß mit Bil­dern, als gäbe es kein mor­gen mehr. Wer­be­texte und Texte all­ge­mein dien­ten maxi­mal als Platz­hal­ter. Oder als stö­rende Ele­mente ist schön design­ten Wer­be­su­jets. Natür­lich, Bild­spra­che ist in der Wer­bung heute noch immer von immenser Bedeu­tung. Mitt­ler­weile setzt aber ein Umden­ken ein, und das hat einen simp­len Grund. Auf­grund der mas­si­ven „Über­bil­de­rung“ unter­liegt prak­tisch jedes Motiv der Belie­big­keit. Die glück­li­che Fami­lie unterm Weih­nachts­baum, wo der Gol­den Redri­ver natür­lich nicht feh­len darf, das Spie­geln der Mor­gen­sonne am fla­chen See­was­ser. Es gibt so gut wie keine bild­li­che Infor­ma­tion mehr, mit der uns die Wer­be­wirt­schaft nicht schon tau­sende Male kon­fron­tiert hat. Unsere Gehirne – genau genom­men: unsere Hin­ter­haut­lap­pen – schal­ten mitt­ler­weile auf Durch­zug, weil sie von den vie­len Bil­dern keine rele­van­ten Infor­ma­tio­nen mehr erwar­ten. Reiz­über­flu­tung führt zwangs­weise zur Reizannahmeverweigerung.

Für Bild­fe­ti­schis­ten in der Wer­be­bran­che kam kurz Hoff­nung auf, als Mitte der Nuller­jahre Bewegt­bil­der das Inter­net erober­ten. End­lich lern­ten Bil­der wahr­haft spre­chen, und alles schien gut zu wer­den. Doch das führte zu einer wei­te­ren Beschleu­ni­gung, die durch die Redu­zie­rung auf bloße Bild­spra­che ihren Anfang nahm. Und irgend­wann haben Wer­be­kon­su­mie­rende dann auch ein­mal die Schnauze voll. Mün­dige Men­schen las­sen sich nicht mehr alles – im wahrs­ten Sinne des Wor­tes – aufs Aug’ drü­cken. Und so ent­steht aktu­ell eine Gegen­be­we­gung, die Wer­be­tex­ter gut zupass kommt. Denn die Men­schen lech­zen nach Tiefe. Um in diese Tiefe vor­zu­drin­gen, braucht es Zeit. Und nichts ent­schleu­nigt in der Kom­mu­ni­ka­tion so sehr, wie das Lesen.

Ob des­we­gen für Wer­be­tex­ter jetzt gol­dene Zei­ten anbre­chen, bleibt abzu­war­ten. In jedem Fall ist es ein gro­ßes Ver­gnü­gen, Gedan­ken mit geschrie­be­nen Wor­ten zu lei­ten, um Emo­tio­nen zu wecken. Hof­fent­lich auch Ihre.